Ein toller Nachbericht von Christian Drastil auf Photaq:


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PRESSETEXT Kellerwände erzählen - Kunstprojekt im Keller des Brandstetter

 

Die verbrannt, verkohlten Wände des Brandstetter-Kellers inspirierten die Hernalser Künstlerin Lisa Grüner zu einem außergewöhnlichen Projekt. Sie nahm an unterschiedlichen Stellen der Decke Abdrücke der geschichtsträchtigen Spuren. Jedes Bild der insgesamt 30 „Papier auf Kohle“-Zeichnungen erzählt seinem Betrachter eine ganz eigene Geschichte.
 

Die Abdrücke zeigen eine außergewöhnliche Tiefe. Lässt man sich auf die Bilder ein, sieht und spürt man die Lebendigkeit und Kraft der toten Brandrückstände. Wilde Landschaften, Engel, Elefanten, Kampfszenen und Schiffe zeigen sich dem Betrachter. „Die Idee mit Papier auf den Wänden zu zeichnen und Abdrücke zu nehmen kam ganz spontan“, freut sich die Künstlerin Mag. Lisa Grüner über die gelungene Aktion. „Es hat mich überrascht, wie schnell die Idee Unterstützer und Förderer fand, alle denen ich davon erzählte waren begeistert.“ Überraschend war auch der Output der Kunstaktion. „Sogar die Testbilder kamen bei den Erstsichtungen extrem gut an“, ist Grüner stolz. „Jedem Menschen erzählen die Kellerwände eine eigene Geschichte, die er aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen und Prägungen interpretiert.“ Aus diesem Grund erhalten die Abdrücke auch keinen Titel. „Das würde den Betrachter zu sehr beeinflussen“, so Grüner. Begleitet wurde das Projekt von Fotokünstler Michael Morawec/Koalamedia. Er dokumentierte das Making Of mit seiner Kamera.

Dass die Kellerwände viel zu erzählen haben, beweist ein Brief des Brandstetter Sohnes, der heute in Basel lebt. Er berichtet von einem mutigen Kellner, der im 3. Reich nicht der nationalsozialistischen Partei beitreten wollte und aus diesem Grund das Wirtshaus seiner Eltern vom 7. Bezirk in den Vorort Hernals übersiedeln musste. Im Keller haben während der Bombenangriffe viele Menschen Zuflucht gefunden und überlebt. In den letzten Kriegstagen wurde das Haus zerbombt und der Keller brannte aus. Während das Haus wieder aufgebaut wurde, blieb der Keller des Brandstetter wie er war und wurde als Wirtschaftskeller genutzt.

Die Vernissage und Ausstellungseröffnung findet am 30.9. um 19 Uhr am Ort des Geschehens, im Keller des Restaurant Brandstetter, Hernalser Hauptstrasse 134, 1170 Wien statt.

Foto: Mag. Lisa Grüner beim Abdrucknehmen; Fotograf: Koalamedia

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ART-CACHING - Interpretation des Kreuzweges der Kalvarienbergkirche

 

Mit dem Kunstprojekt „Art-Caching - Hernals neu entdecken“ möchte das Kulturnetz Hernals historische Plätze des Bezirks mittels moderner Schatzsuche mit Smartphone und App kartografieren. Die künstlerischen Umsetzungen der gefundenen Orte und Zeichen sind als Exponate in einer speziellen Ausstellung in 13 show-cases rund um den Hernalser Spitz zu besichtigen.

 

Die Hernalser Künstlerin Lisa Grüner interpretierte in zwei Bildern jeweils sieben Stationen des Kreuzweges der Kalvarienbergkirche mit seinen Enneagramm-Elementen. Interessant ist die Aufteilung der Stationen: Die Darstellungen 1-7 zeigen Jesus und die Hauptsünden, auch dargestellt durch Tiere; die Stationen 8-14 zeigen Maria und den Weg zu Heil und Erlösung. Im Kreuzweg werden nicht nur die zwei Seiten gut/böse, männlich/weiblich dargestellt, sondern auch Besonderheiten des Enneagramms.

 

Das Enneagramm – und hier liegt seine stärkste Seite – zeigt uns die dunklen Seite unseres Charakters. Es lädt uns ein, uns mitsamt unseren Abgründen zu akzeptieren. Uns vom westlichen Denken geprägten Menschen mutet dieser Weg paradox an: Normalerweise verdrängen wir unsere Schattenseiten, wir weichen ihnen aus oder versuchen, sie zu unterdrücken. Das Enneagramm fordert da: STOP. Erst wenn wir unsere Schattenseiten anerkennen und lernen, sie zu verstehen, gewinnen wir die Freiheit, mit ihnen umzugehen. Das Enneagramm weiß um neun solcher Fixierungen oder Leidenschaften. Die klassische Theologie nennt sie Hauptsünden. Jede von ihnen hat eine Kehrseite, eine so genannte Tugend. Ausgangspunkt im Enneagramm ist die negative Seite, die Hauptsünde. Durch Bewusstwerdung ihrer, verbunden mit der Bereitschaft, sich erlösen zu lassen, gelangt der Mensch zur erlösten Dimension oder Geistesgabe: zur Tugend.

Dasselbe Thema behandelt der Kalvarienberg von Wien-Hernals. Wer sich schon mit dem Enneagramm beschäftigt hat, wird im Kalvarienberg eine faszinierende bildliche Darstellung finden.

"Letztes Jahr habe ich ein Seminar zum Thema "Enneagramm" besucht. Bei diesem Modell mit dessen Hilfe Persönlichkeitstypen beschrieben werden, gibt es neun Typen. Jedem dieser Persönlichkeitstypen wird ein Schwachpunkt, eine Hauptsünde zugeordnet. Dieses Wissen floss auch in die Gestaltung des Kreuzweges der Kalvarienbergkirche ein und es wurden im ersten Teil des Kalvarienberges die sieben Hauptsünden auf ebenso vielen Reliefs dargestellt. So steht der Esel für die Trägheit, der Rabe für den Geiz, der Löwe für den Zorn, die Hyäne für die Unmässigkeit, der Bock für die Unkeuschheit, die Hunde für den Neid, und der Pfau für die Hofart/Eitelkeit. Die Sünde der Täuschung und der Furcht wurden ausgelassen. Die sieben Reliefs führen zum baulichen Mittelpunkt und inhaltlichen Wendepunkt, der Kreuzigung Jesu und zweier Schächer. Von hier weg führen weitere sieben Reliefs mit der Veranschaulichung der „sieben Tugenden“, der Frucht der Erlösung durch Wandlung, dargestellt durch Maria. Inspiriert durch diese historische Darstellung habe ich die ersten sieben Reliefs, also die Tiere und Sinnbilder der Sünden, in einer Collage mit dem Gekreuzigten verarbeitet. Eine zweite Collage aus den sieben Stationen der Tugenden stellt die Erlösung – Maria mit den Engeln, die jeweils einen Schriftzug in Händen halten, dar. Durch die Collagen zeigt sich eine eindeutige männlich/weiblich Gewichtung. In der ersten Collage Jesus mit männlichen Tieren, in der zweiten Collage Maria mit den weiblich gerundeten Engeln."

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